„Amerikas Lügen" titelte im Dezember 2007 die „Zeit" als Reaktion auf die Veröffentlichung der jüngsten National Intelligence Estimate, der Einschätzung der US-Geheimdienste zum Stand des iranischen Atomprogramms. Stoßen normalerweise alle Aktivitäten der amerikanischen Nachrichtendienste auf vollkommenes Misstrauen, kam dieser Bericht der deutschen Öffentlichkeit gerade recht. Was in den USA Gegenstand einer erbitterten politischen Auseinandersetzung um die richtige Strategie im Umgang mit dem Regime der Mullahs ist, ist in Deutschland schon weitgehend entschieden: Nicht der Iran ist die zurzeit weltweit größte Bedrohung, sondern die „unberechenbare" und unilaterale US-Politik. Dabei sagt der Bericht der Geheimdienste lediglich aus, dass - „mit mäßiger Gewissheit" – davon auszugehen sei, dass derzeit im Iran keine Atomwaffen gebaut werden würden. Der gleiche Bericht bestreitet keineswegs, dass das iranische Regime zurzeit fieberhaft an den technischen Voraussetzungen für ein Atomwaffenprogramm arbeitet: an der Urananreicherung und der Entwicklung geeigneter Interkontinentalraketen.
Diese Tatsachen sind seit 2002 bekannt. Die Zeit, die der Iran bis zur Herstellung der Atombombe braucht, verringert sich dramatisch: in frühestens einem, spätestens drei Jahren ist es angesichts der technologischen Fortschritte so weit. Während die Europäer sich bereits auf eine Politik des Appeasements gegenüber dem Iran festgelegt und wirksame Sanktionen und militärische Drohungen ausgeschlossen haben, deutet der jüngste Geheimdienstbericht möglicherweise einen höchst beunruhigenden Kurswechsel in der US-Außenpolitik im Kontext der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen an. Gerade jetzt, wo die Solidarität mit Israel nötiger ist denn je, wächst die Gefahr, dass der jüdische Staat angesichts der ungehindert näher rückenden iranischen Bombe im Stich gelassen wird.
Das Streben nach der Atombombe gehört zur Entschlossenheit des Iran, sich an die Spitze des djihadistischen Weltkrieges zu stellen, der längst begonnen hat. Seine Opfer sind vorläufig überwiegend Menschen, die sich selber als Moslems begreifen und in Darfur, im Irak, in Afghanistan und anderswo für die Herrschaft des wahren Islam hingemetzelt werden. Auch im Iran gilt das Konzept der permanenten Mobilmachung gegen den inneren wie äußeren Feind. Keine Verfolgungsmaßnahme, sei es gegen Homosexuelle oder gegen sündhafte Frauen, kommt ohne den Hinweis aus, dass die Opfer im Bunde mit dem „zionistischen" Weltfeind" stünden. Die permanente Verfolgung im Inneren ist nicht zu trennen vom antisemitischen Krieg gegen Israel und die Juden, der wahnhaft auch nur bis zum Ende, das heißt bis zur angestrebten Vernichtung des jüdischen Staates geführt werden kann. So wird Israel durch ein unberechenbares Schwanken zwischen zermürbendem Kleinkrieg, zerstörerischen Offensiven und dem Griff nach der Wunderwaffe bedroht.
Unterdessen verhandelt Europa über eine „friedliche Lösung" im „Atomstreit", bescheinigt dem Iran „rationale Interessen" und bemüht sich um den kulturellen Dialog mit dem „gedemütigten" Islam. Appeasement, Faszination und Kollaboration sabotieren nicht nur jeden effektiven Schritt gegen das iranische Regime und die von ihm gesponserten Rackets der Vernichtung, sondern treiben die antisemitische Raserei immer weiter an. Auch hierzulande bedient die permanente islamische Revolution durch ihre ideologische Ausstrahlung ein gesellschaftliches Bedürfnis: sei es durch die unmittelbare Bewunderung des blutrünstigen Aufstands gegen Zivilisation und "Weltjudentum" oder durch die eher vermittelte Zustimmung, die den selbst angeheizten iranischen Krieg und die Gegenwehr durch Israel und die USA nutzt, um die eigene Identität als „Friedensmacht" immer radikaler auf dem eigenen Antizionismus und Antiamerikanismus zu gründen. Was auch kommen mag, nichts wird so sehr verdammt, wie die Intervention für die existentiell Bedrohten, für Israel und gegen die Durchsetzung offen barbarischer Verhältnisse.
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