Bündnis gegen Appeasement
Es geht um Israel.
  



 
 
 

Willkommen in Teheran

Zur Reise des Berliner Ensemble in den Iran

 

Am 11. Februar ist es soweit, dann zieht Mutter Courage ihren Karren an drei Abenden über die Bühne der Vahdat-Halle, mit 1200 Plätzen eine der größten Aufführungshäuser Teherans. Das Berliner Ensemble ist zu Gast beim Fadjr-Theaterfestival, einer jährlichen Veranstaltung mit internationalem Renommee. Bei der Vorstellung der Spielzeit 2007/08 behauptete er, er wisse, dass sein Vorhaben von der Bundesregierung nicht gewünscht werde. Aber, so Peymann, „man sollte Teheran besuchen, bevor es zerbombt ist.“ Das Stück, das Brecht kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges schrieb, soll geschichts- und publicityträchtig kurz vor Ausbruch des von Peymann prophezeiten Krieges zur Aufführung kommen.

Die Behauptung, der Besuch des BE in Teheran sei seitens der Bundesregierung unerwünscht, ist ja nicht nur eine weitere Lüge des ewigen Antiimperialisten, die ihm das schon leicht gammelige Hautgout der Opposition verleihen soll, obwohl er schon längst der Intendant der Berliner Republik ist und sein Antiimperialismus, für den er Jahrzehnte gekämpft hat, der Mainstream.

Selbstverständlich hat die Bundesregierung nichts gegen die Reise des Berliner Ensembles, der Kulturaustausch ist von den Sanktionen ausgenommen – jenen Sanktionen, mit deren Einhaltung es die Bundesregierung ohnehin nicht sehr genau nimmt. Aber es ist dieser Hauch von Subversion, ohne den Peymann und mit ihm andere, die deutsche Kultur dem iranischen Publikum näher bringen wollen, nicht auskommen können. Es wäre nicht sonderlich spannend, in ein Land zu fahren, das nicht von den USA zum Feind erklärt worden ist, vor allem, weil man dann zu erklären hätte, wie man zu den Verhältnissen im Iran steht. So steht man jedoch ganz vorne in der Front Europas gegen Amerika. Zugleich empfinden diese deutschen und europäischen Kultur-Botschafter es ebenfalls als subversiv im Iran aufzutreten. Zum Regime, das von ihren Auftritten profitiert, pflegen sie ein Verhältnis der Äquidistanz, als gingen sie die Verbrechen der Mullahs nichts an. Der Schleier des Respekts vor dem anderen, den sich die beteiligten Frauen stellvertretend für die Nation überziehen, lässt noch ein Augenzwinkern zu, das alles doch nicht so zu meinen. Mutter Courage in Teheran ist deswegen ungeheuer pragmatisch; abgesehen von einigen sehr anzüglichen Bemerkungen, die aber von der Sorte sind, wie sie im Iran noch zugelassen werden, ist es vor allem die Tatsache, dass alle Frauen schon ein Kopftuch tragen und reichlich verhüllt daher kommen, die kaum eine Veränderung der Inszenierung nötig macht. Die Schauspielerinnen brauchen ihre Kostüme nicht einmal auszuziehen, dann haben sie auch außerhalb des Aufführungsorts kein Problem.

Auffällig ist, dass das Berliner Ensemble ein großes Herz für Juden hat – für tote Juden, wie einschränkend gesagt werden muss. Im BE steht die Dramatisierung des Tagebuchs der Anne Frank auf dem Spielplan und kaum eine deutsche Gedenkbetriebsnudel ist noch nicht hier aufgetreten. Die iranische Vernichtungsdrohung gegen Israel befördert jedoch nicht die Solidarität mit den Bedrohten, sondern die Hinwendung zu denen, die sich auf einen weiteren Massenmord vorbereiten. Das war in Deutschland noch nie ein Widerspruch und im Hinblick auf die abnehmende Konjunktur des Gedenkens ist es eigentlich folgerichtig, dabei mitzuhelfen, dass es wieder tote Juden und erneute deutsche Schuld gibt: Wieder könnte man schuldzerfressen und verantwortungsgeil der Welt ein weiteres Mal erklären, dass man es diesmal aber richtig macht. Dass Peymann lieber nach Teheran fährt als nach Tel Aviv, bevor es zerbombt wird, ist aber nicht nur eine erinnerungsökonomische Notwendigkeit, es ist auch biografische Konsequenz eines unverbesserlichen Deutschen. Im Jahre 2002 spekulierte Peymann im „Philosophischen Quartett“ des ZDF darüber, dass es doch einen „wahrhaftigen Grund“ geben müsse, „dass alle Welt die Amis hasst“. Wie können die Deutschen „Vasallen eines neuen Roms sein, das Dresden und jetzt auch Afghanistan platt gemacht hat und uns derzeit an den Rande eines Vierten Weltkriegs bringt, nachdem es den Dritten als Kalten mit den Kommunisten ausgetragen hat“, fragte er sich. „Mit Bush und Sharon ist die Finsternis gekommen“, war er sich schon damals sicher. Dass niemandem auffällt, wie nahe die Sprache Peymanns sich an die des Horst Mahler anschmiegt, ist schon erstaunlich; aber wer von allen und vor allem von sich selbst für den größten Theatermann im deutschsprachigen Raum gehalten wird, der darf es sich offenbar leisten zu reden wie ein Nazi. Und so nimmt es wenig wunder, dass mit dem iranischen Präsidenten dem Intendanten eine Lichtgestalt erschienen ist, um die Finsternis zurückzudrängen.

In diesem Sinne wünschen wir dem Berliner Ensemble und seinem Intendanten eine gute Reise! Vielleicht ergibt sich ja auch die Möglichkeit, an einer öffentlichen Hinrichtung teilzuhaben oder neue Erkenntnisse über den Holocaust zu gewinnen.