Ende Dezember 2006 begannen Mitglieder von Berliner Bündnis gegen IG Farben und Gruppe Offene Rechnungen, eine Veranstaltung gegen die iranische Vernichtungsdrohung vorzubereiten. Anlass waren Anregungen unter anderem von Matthias Küntzel, im Zusammenhang mit der am 28.01.2007 stattfindenden Demonstration gegen Ahmadinedschad am Vortag, dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, eine Veranstaltung durchzuführen.
Wir betrachteten unsere Veranstaltung selbst als den Beitrag, den wir zu der Demonstration am 28.01.2007 angesichts ihrer bisherigen inhaltlichen Dürftigkeit - ausweislich des Aufruftextes - leisten können. Ziel war es, durch die Beiträge deutlich zu machen, was angesichts der Bedrohung durch den Iran zu sagen und zu tun ist und vor allen Illusionen hinsichtlich der Bekämpfung dieser Bedrohung zu warnen.
In der ersten Woche sagten mit Thomas Becker (Autor u.a. der Zeitschrift Bahamas), Matthias Küntzel (Politikwissenschaftler) und Wahied Wahdat-Hagh (Politikwissenschaftler) alle angefragten Referenten, die den kurzfristigen Termin wahrnehmen konnten, Beiträge zu. Wenige Tage nach seiner Zusage, nachdem bereits Titel und Fragestellung abgesprochen waren, sagte Thomas Becker seine Teilnahme wieder ab. Als Grund nannte er inhaltliche Bedenken gegenüber dem Aufruftext der Demonstration am 28.01.2007. Einen Tag später veröffentlichte die Redaktion der Zeitschrift Bahamas, die wir bezüglich der Nutzung ihrer Anlage für unsere Veranstaltung angefragt hatten, die Ankündigung einer Veranstaltung, die ebenfalls am 27.01.2007 stattfinden sollte.
Mit der Veröffentlichung dieses Textes der Zeitschrift Bahamas eskalierte eine Auseinandersetzung, die bereits mit dem Konflikt zwischen dem Veranstalter der Demonstration, dem Verein I like Israel und dem Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer begonnen hat. Im Kern geht es in der Debatte um die Frage, wie und mit welcher Ausrichtung israelsolidarische Organisationen, Gruppen und Personen angesichts der iranischen Vernichtungsdrohung in der Öffentlichkeit gegen die Umsetzung der iranischen Pläne intervenieren sollten. Doch es hat sich in den letzten Wochen als unmöglich erwiesen, diese Auseinandersetzung an der Sache, das heißt inhaltlich, zu führen. Wir wollten uns mit unserer Veranstaltung an dieser Debatte nicht beteiligen, da wir sie als kontraproduktiv bewerten. Wir sind auch nicht bereit, Beteiligte an dieser Debatte zu exkommunizieren, so fragwürdig uns auch manche Argumentationen und Vorwürfe erscheinen.
Wenige Tage vor Veranstaltungsbeginn wandten wir uns an Matthias Küntzel mit der Bitte, in seinem Beitrag die entbrannte Debatte über das Für und Wider der Demonstration am 28.01.2007 nicht zu thematisieren. Wir wollten an der Ausrichtung unserer Veranstaltung - einen Beitrag zur notwendigen inhaltlichen Bestimmung des entschiedenen Einsatz gegen das iranische Vernichtungsprogramm zu leisten - festhalten und vermeiden, dass dieses Anliegen in der derzeit vorherrschenden allgemeinen Hysterie untergeht. Diese Bitte bedeutete nicht, dass Matthias Küntzel nicht zu der Demonstration aufrufen sollte.
Wir hatten nach Veröffentlichung der Veranstaltungsankündigung der Redaktion Bahamas beschlossen, unsere Veranstaltung wie geplant durchzuführen, allerdings zu vermeiden, dass sich beide Veranstaltungen zeitlich überschneiden. Grund dafür ist die Ansicht, dass niemanden mit einem Publikum gedient ist, dass nicht in der Lage ist, sich angesichts erheblicher Konflikte selbst eine Position zu bilden. Zudem stand uns der Veranstaltungsraum nur bis 20 Uhr (plus Toleranzspielraum) zur Verfügung. Erschwerend kam hinzu, dass Wahied Wahdat-Hagh nicht vor 19 Uhr an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Aus diesem Grund wollten wir in den Eröffnungsbemerkungen die Zuhörer/innen darauf hinweisen, dass es zeitlich möglich ist, beide Veranstaltungen hintereinander zu besuchen, ohne unsere Veranstaltung vor oder während des letzten Referats von Wahied Wahdat-Hagh verlassen zu müssen. (Wir rechneten mit einem Ende unserer Veranstaltung zwischen 19.30 und 20 Uhr und gingen stillschweigend davon aus, dass die Bahamas-Veranstaltung entsprechend später beginnen würde.) Wir haben Matthias Küntzel über diesen Umgang mit der Bahamas-Veranstaltung informiert, worauf er heute seine Teilnahme an der Veranstaltung zurückzog. Als Grund nannte er, dass kein Veranstalter eine Veranstaltung zwischen 19.30 und 20 Uhr beenden würde, wenn der letzte Referent seinen Vortrag um 19 Uhr beginnen würde.
Wir sehen uns nun gezwungen, die Veranstaltung abzusagen. Wir sind mit unserem Versuch gescheitert, uns aus einer aufgeregt-unsachlichen Identitätsdebatte herauszuhalten und stattdessen die Bedrohung durch den Iran und die Notwendigkeit seiner Bekämpfung mit allen Mitteln auf die Tagesordnung zu setzen.
Wir möchten uns bei unserem Referenten Wahied Wahdat-Hagh und allen Interessierten entschuldigen, die an der Veranstaltung teilnehmen wollten. Wir werden versuchen, die ausgefallene Veranstaltung in geeigneter Form baldmöglichst nachzuholen. Unser geplanter Redebeitrag kann demnächst auf unserer Website nachgelesen werden. Wer den hier veröffentlichten „Aufruf gegen das iranische Vernichtungsprogramm“ oder weitere Aktivitäten unterstützen will, ist herzlich eingeladen, mit uns Kontakt aufzunehmen.
Wir wünschen der Demonstration gegen Antisemitismus, Shoah-Leugnung und atomare Aufrüstung im Iran am 28.01.2007 viel Erfolg und rufen jeden und jede auf, das Möglichste dazu beizutragen.
Bündnis gegen Appeasement
Berlin, den 26.01.2007
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